Der „Hamburger Aufstand“ war eines der bedeutendsten Ereignisse in der turbulenten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Hamburg, eines der größten Industriezentren Deutschlands, war das Epizentrum dieses Kampfes. In diesem Artikel berichten wir über die Ursachen und Folgen des Aufstands in Hamburg. Mehr auf hamburgyes.eu.
Ursachen des Aufstands in Hamburg

In den 1920er Jahren befand sich das Nachkriegsdeutschland in einer kritischen Lage. Der katastrophale Zustand der Wirtschaft führte zu einer Hyperinflation, die den Wert der deutschen Mark täglich untergrub. Die Situation war so gravierend, dass Arbeiter und Angestellte nicht einmal auf ihre nächste Gehaltszahlung warten konnten, da das Geld unglaublich schnell an Wert verlor. Die größte Last der Wirtschaftskrise trugen die deutschen Arbeiter, die am meisten unter den Folgen der Nachkriegszeit litten.
Im Sommer 1923 entstand in Moskau, dem ideologischen Zentrum der weltweiten kommunistischen Bewegung, ein Plan zur Organisation einer sozialistischen Revolution in Deutschland. Diese Idee wurde von Karl Radek vorgeschlagen. Doch nicht alle Mitglieder des Politbüros unterstützten diese Initiative – Josef Stalin äußerte sich beispielsweise kritisch über die Möglichkeit, eine sowjetische Herrschaft in Deutschland zu etablieren. Trotz dieser Bedenken entschied die Komintern im September 1923, den Aufstand durchzuführen.

Die Kommunisten setzten ihre Hoffnungen vor allem auf Sachsen und Thüringen, wo sie bei den Regionalwahlen besonders erfolgreich waren. Doch noch vor Beginn des Aufstands forderte Gustav Stresemann die Entfernung der Kommunisten aus den Regierungen von Sachsen und Thüringen sowie das Verbot der bewaffneten Einheiten der Kommunistischen Partei. Aufgrund dieser Ereignisse wurde beschlossen, die Vorbereitungen für den Aufstand in Deutschland vorläufig einzustellen. Diese Information erreichte jedoch die Kommunisten in Hamburg nicht rechtzeitig. So fand der revolutionäre „Aufstand“ der Arbeiter gegen die bürgerliche Regierung Deutschlands am 23. Oktober 1923 genau in dieser Hafenstadt statt. Der Aufstand wurde von dem Politiker Hugo Urbahns, dem Kommunisten Hans Kippenberger und Ernst Thälmann, einem deutschen Politiker aus Hamburg, organisiert.
Ablauf des Aufstands und seine Teilnehmer

Am 23. Oktober um fünf Uhr morgens stürmten revolutionäre Arbeitertruppen mit 300 Aktivisten der KPD 26 Polizeistationen in Hamburg, Altona und dem Kreis Stormarn in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Dabei wurden Waffen- und Munitionsvorräte erbeutet. Bis die Polizei Verstärkung herbeiführen konnte, hatten sich die Arbeiterquartiere Hamburgs in befestigte Festungen verwandelt. Die Aufständischen verbarrikadierten sich auf den Dächern der umliegenden Häuser. Von dort aus planten sie, weiter in die Stadt vorzudringen und die lokalen Beamten zu entmachten. Ihr Ziel war es, das politische System nach dem Vorbild der Oktoberrevolution von 1917 in Russland zu stürzen.

Die Teilnehmer des Hamburger Aufstands waren vor allem Fabrik- und Hafenarbeiter sowie Aktivisten, die die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) unterstützten. Das Zentrum ihres Widerstands war das Arbeiterquartier Barmbek in Hamburg, wo etwa 300 Arbeiter mehrere Tage lang dem Ansturm von über 6.000 Polizisten standhielten. Die Bewohner des Viertels unterstützten die Aufständischen mit Lebensmitteln und halfen beim Bau von Barrikaden.
Ein weiteres Zentrum des Widerstands wurde das Viertel Schiffbek, wo Arbeiter mit erbeuteten Waffen Barrikaden errichteten und verzweifelt ihre Stellungen verteidigten. Trotz des Mutes und der Entschlossenheit der Aufständischen erlangten die Regierungstruppen mit Hilfe einer Landungstruppe vom Kreuzer „Hamburg“, vier Panzerwagen und einem Aufklärungsflugzeug die Oberhand und zerschlugen die Aufständischen in Schiffbek. Nach erbitterten Kämpfen wurde dieses Viertel zur letzten Bastion des Arbeiterwiderstands in Hamburg. Am 25. Oktober wurden die Aufständischen festgenommen und später verurteilt.
Ergebnisse des „Hamburger Aufstands“

Trotz des Mutes und der Entschlossenheit der Arbeiter endete ihr Kampf gegen die bürgerliche Regierung mit einer Niederlage. Die Ursache für das Scheitern waren Meinungsverschiedenheiten unter den deutschen Kommunisten: Ernst Thälmann unterstützte die Idee des Aufstands, während der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Heinrich Brandler, dagegen war. Dadurch kam es nicht zu einem landesweiten Aufstand, sondern nur zu einem lokalen bewaffneten Widerstand in Hamburg, der durch entschlossene Maßnahmen der Regierung rasch niedergeschlagen wurde.
Die zwei blutigen Tage in Hamburg führten zu erheblichen Verlusten: Mindestens 100 Menschen kamen ums Leben, 300 bis 400 wurden verwundet. Viele Zivilisten gerieten zufällig in das Kreuzfeuer zwischen den Aufständischen und der Polizei. Insgesamt wurden 1.400 Personen verhaftet, aber nur 873 mussten sich vor Gericht verantworten und erhielten Haftstrafen von bis zu 15 Jahren wegen Teilnahme am „Hamburger Aufstand“. Viele Verurteilte verbüßen ihre Strafen jedoch nicht, da der neue Reichspräsident Paul von Hindenburg 1925 eine Generalamnestie verkündete.
Die Schicksale der Organisatoren des „Hamburger Aufstands“ waren unterschiedlich. Hugo Urbahns tauchte zunächst unter, wurde aber 1924 verhaftet. Vor Gericht übernahm er die volle politische Verantwortung für den Aufstand, ohne Details preiszugeben. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn wegen Hochverrats zu zehn Jahren Haft. Im Herbst 1925 wurde Urbahns jedoch aufgrund seiner parlamentarischen Immunität freigelassen. Hans Kippenberger floh in die Sowjetunion, wo er 1937 erschossen wurde. Das Schicksal des Anführers des Aufstands, Ernst Thälmann, blieb lange unbekannt, da er sich versteckte. Später wurde er Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), aber 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet.
Der „Hamburger Aufstand“ von 1923 wurde zu einem Symbol des Kampfes für soziale Veränderungen und Gerechtigkeit. Obwohl er nur kurze Zeit andauerte, hinterließ er tiefe Spuren in der Geschichte der Stadt.